Burgen im Landkreis Cuxhaven
Das Gebiet des heutigen Landkreises Cuxhaven war im Mittelalter reich an Burgen. Bis ins 12. Jahrhundert hinein lässt sich die Geschichte der Burg Bederkesa archäologisch bestätigen. Außer dieser Burg gibt es nahezu 40 weitere Burgen im Kreisgebiet. Zu den bekannten zählen die Pipinsburg oder die Monsilienburg bei Beverstedt, aber auch die Burg zu Hagen. Bei den meisten Burgen, von denen in der Regel im Gelände nicht mehr viel zu sehen ist, handelt es sich um Niederungsburgen. Auf flachen Erdaufschüttungen in den Flussniederungen errichtet, boten sie Schutz, indem das morastige Umland ein natürliches Annäherungshindernis darstellte.
Die Burgenbauer waren meist Ministeriale aus dem Niederadel.
Über das einstige Aussehender Burgen wissen wir nur wenig, da entsprechende Ausgrabungen fehlen. Die in das späte 12. Jahrhundert datierte Dohrener Burg bei Heerstedt weist eine ringförmige Befestigung aus tief in den moorigen Untergrund gerammte Pfählen auf, die einst einen Wall und eine Palisade trugen. Im Inneren geben Pfähle den Hinweis auf einen möglichen Turm.
In der Pipinsburg bei Sievern hingegen existierten innerhalb eines mächtigen Ringwalls kleinere Häuser die sich innen an dem Wall orientierten. Die Burg wurde auf dem Geestrand im Übergang zur Marsch errichtet, lag an wichtigen Handelswegen und wurde offenbar bereits im Frühmittelalter errichtet.
Burg Stotel
Eine Burg sticht deutlich hervor: Die Burg Stotel. Sie wurde erst Anfang der 2000er Jahre entdeckt und zwischen 2013 und 2016 durch die Archäologische Denkmalpflege des Landkreises Cuxhaven ausgegraben. Sie gilt als die bisher am besten untersuchte Burg im Landkreis. Charakteristisch für diese Niederungsburg ist eine stattliche Ringmauer aus Steinen, die noch in teilen im Boden der Lunemarsch am Ortsrand von Stotel freigelegt werden konnte. Im Inneren der Burg ließen sich Hinweise auf in Fachwerk gehaltene Gebäude wie Palas oder Wirtschaftsgebäude erfassen.
Mauer und Torturm
Die Errichtung der Burg datiert in das Jahr 1238. Mit der Ringmauer (Innendurchmesser etwa 36 m) steht die Burg Stotel in Nordwestdeutschland relativ einzigartig da. Die Burgen des Mittelalters in der Region weisen meist ähnliche Größen auf, besitzen aber eine Befestigung aus Holz und Erde.
Der Zugang in die Stoteler Burg führte durch einen Turm, der in die Ringmauer eingelassen war. Hervorzuheben ist die Verwendung von Backstein als Zierelement. Ein sehr frühes für profanen Nutzung von Backstein generell. Die Burg lag unmittelbar an dem damaligen Luneverlauf und war mit zwei Wassergräben umgeben.
Der Bauherr
Die Errichtung der Burg geht mit der Geschichte des Stoteler Grafen Gerbert einher. Gerbert hatte zunächst noch den Rang eines Edelherren, bevor er 1229 mit der Grafenwürde belehnt wurde, wodurch er in den Hochadel aufstieg. 1233/21234 war er an den sog. Stedingerkriegen beteiligt und ging als einer der Kriegsgewinner daraus hervor. Seine guten Beziehungen zu den Oldenburger Grafen festigte er mit der Hochzeit mit Salome von Oldenburg 1238. Und eben in diese Zeit fällt die Errichtung der Burg.
Bauprobleme
Aufgrund instabilen Untergrunds kam es sehr bald nach der Errichtung zu baulichen Problemen, da ein teil der Burg mit dem schweren Turm zunehmend auf dem torfigen Untergrund absackte. Es ließen sich bei der Ausgrabung Reparaturphasen nachweisen. Aber die Probleme waren so massiv, dass die Burg nur wenige Jahrzehnte nach der Errichtung aufgegeben und wohl systematisch abgetragen wurde.